Mountain Yoga Festival St. Anton | NAIKAN – das Erwachen des Urvertrauens und die Kraft der Versöhnung
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NAIKAN – das Erwachen des Urvertrauens und die Kraft der Versöhnung

Beim Schreiben dieses Eintrages, kam mir der Gedanke: was ist eigentlich das Gegenteil von Dankbarkeit? Ignoranz? Selbstverständlichkeit? Und warum vergisst man die schönen Dinge die andere für einen tun so schnell? Um Dankbarkeit empfinden zu können, müssen wir uns zuerst Situationen bewusst werden in denen wir dankbar sein können. Täglich erleben wir solchen Situationen – meist unbewusst. Der Kollege, der einem die Tür aufhält. Die Freundin, die einem Kaffee ans Bett bringt. Die Mama, die einem Abendessen kocht. Viele tagtägliche Kleinigkeiten, für die wir dankbar sein könnten – würden wir nur lernen, sie als dankeswürdige Dinge zu erleben. Dankbarkeit braucht also Aufmerksamkeit, um Situationen zu erkennen und Demut, um anerkennen zu können, dass wir unseren Nutzen daraus ziehen und dies keinesfalls selbstverständlich ist. Klingt einleuchtend und simpel. Stellt sich im Alltag, in all der Routine der wir ständig ausgeliefert sind, jedoch als schwierig heraus. Aber Dankbarkeit ist eine Methode, eine Technik, die kultiviert werden kann. Eine Möglichkeit, um seiner Umgebung bewusster gegenüberzutreten heißt Naikan.

Naikan ist ein aus Japan stammender Weg, an dessen Ende die Selbsterkenntnis steht. „NAI“ steht für „Inneres“ und „KAN“ für das „Betrachten“ und bedeutet so viel wie Selbstreflexion. Diese Bewusstseinsschaffung ist eine Reise in die Vergangenheit. Ziel ist es ein Verständnis für sein Umfeld und seine Umwelt zu schaffen. Was haben andere für mich getan? Wieviel oder wie wenig habe ich zurückgegeben?

Naikan kombiniert drei Elemente: die Ordnung im Innenleben, die Kraft der Stille und die sanfte und respektvolle Begleitung. Naikan ist frei von jeglichem religiösen Bezug; seine Wurzeln reichen aber bis in den frühen Buddhismus hinein. Aus der ursprünglichen Frage des Mishirabe-Asketismus „Wohin gehe ich, wenn ich jetzt sterbe?“ entwickelte Ishin Yoshimoto nach jahrelanger Selbsterfahrung die heute bekannte Methode. Mishirabe bedeutet sich dem Tod zu stellen, so Bilanz über das eigene Leben zu ziehen und abschließen zu können. Naikan könnte man als Abkürzung zum Weg der Selbsterkenntnis. Auch wenn es einfacher als Mishirabe scheint, haben sie im Kern den gleichen Anspruch.

„Mit voller Kraft und ohne Nachlässigkeit prüfe dich selbst. Es geht um Erleuchtung und Gewissheit. Naikan machen und bereit sein, sich dem Tod zu stellen, sind eins.“[1]

Naikan wurde zuerst im japanischen Strafvollzug und in der Resozialisierung angewendet bis sie ihren Weg in die Unternehmenswelt und öffentliche Einrichtungen fand. Der Tag eines Übenden sah folgender Maßen aus: Tagwache fünf Uhr morgens, um 21 Uhr schlafen gehen, 30 Minuten Zimmer säubern und 15,5 h Naikan üben.

Naikan ist im Kern eine Fragetechnik, die neue Perspektiven auf die eigenen Handlungen, das eigene Verhalten und das eigene Sein ermöglicht.

Die Technik basiert auf drei sich selbst gestellten Fragen. Die ersten beiden Fragen sind geprägt von Optimismus und berücksichtigen nur das Gute:

Was habe ich von … erhalten?

Was habe ich … gegeben?

Die letzte Frage beschäftigt sich mit der Überwindung des Egos. Nach Yoshimoto muss man sich der eigenen Hölle der Seele stellen. Er hatte gelernt, dass je mehr sich das Ego für seine Taten schämt, desto eher rückt es zur Seite und macht Platz für die Entdeckung des wahren Seins. Er fügte so die dritte Frage seiner Technik hinzu:

Welche Probleme und Schwierigkeiten habe ich für andere verursacht?

Durch Naikan lernt man Tatsachen klar zu sehen. Der eigene Anteil an dem was erlebt wurde, wird einem vor Augen geführt, ohne diesen mit Bewertungen oder Gefühlen zu vermischen. Ziel ist es durch die Versöhnung und Dankbarkeit inneren Frieden und in weiterer Konsequenz Glück zu erlangen.

Ein weiter Weg aber es genügt wohl schon ein kleiner Schritt jeden Tag um irgendwann beim Glück anzukommen. Es gibt bestimmt viele Weg die zum Glück führen, hier sind es drei Fragen, denen ich jeden Tag nur ein bisschen Zeit schenken muss. Klingt für mich wie eine gute Investition für die Zukunft. Von der Kraft der Dankbarkeit wusste auch Albert Einstein.

Jeden Tag erinnere ich mich hundert Mal daran,
dass mein inneres und äußeres Leben
von der Arbeit anderer, lebender und bereits
verstorbener Menschen abhängt und dass ich mich
bemühen muss, im gleichen Maße zu geben,
wie ich empfangen habe und immer noch empfange
.”

Albert Einstein

In diesem Sinne: Ich hoffe ich habe heute EUCH etwas gegeben!

 

Buchtipp: Sabine Kaspari: Naikan. Die Kraft der Versöhnung. Mit der buddhistischen 3-Frage-Methode zu inneren Frieden. GU Verlag

Chikako Ozawa-de Silva (2007). Demystifying Japanese Therapy: An Analysis of Naikan and the Ajase Complex through Buddhist Thought

 

[1] Worte von Ishin Yoshimoto (1998) in: J. Hartl u. J. Schuh: Die Naikan-Methode. 1998 Naikido Zentrum, Wien

 

Autorin:

Sophie ist begeisterte Yogalehrerin und unsere Social Media Redakteurin.

Wann immer es ihr möglich ist, genießt

sie die Natur.

 



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